Weder Binnen-I noch die Kombination aus Schräg- und Gedankenstrich bringen das zun Ausdruck, was Gendersternchen oder -doppelpunkt beinhalten

Weder Binnen-I noch die Kombination aus Schräg- und Gedankenstrich bringen das zun Ausdruck, was Gendersternchen oder -doppelpunkt beinhalten

Wie ihr vielleicht beim Stöbern auf dieser Seite schon bemerkt habt, benutzen wir bereits seit längerem eine möglichst geschlechtergerechte Schreibweise. Waren es vor einigen Jahren noch das Binnen-I (PfadfinderInnen) oder die Kombination aus Schräg- und Bindestrich (Pfadfinder/-innen), folgte vor längerer Zeit das Gendersternchen, auch Asterisk genannt (Pfadfinder*innen). Seit einigen Monaten nun nutzen wir den Genderdoppelpunkt (Pfadfinder:innen) und Anfang Februar nahm der Landesrat einstimmig, bei einer Enthaltung, den Antrag der PG Öffentlichkeitsarbeit zur Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache in allen Publikationen des Landes an:

In allen Publikationen des VCP Land Niedersachsen wird  künftig ausschließlich eine Sprache verwendet, die allen Geschlechtern gleichermaßen gerecht wird. Wo eine geschlechterneutrale Formulierung nicht möglich ist, wird eine Schreibweise gewählt, die alle Geschlechter einbezieht. Diese wird mit Hilfe des Genderdoppelpunktes („:“) umgesetzt.

Aber warum das Ganze?

Der VCP Land Niedersachsen versteht sich als offener und demokratischer Verband. Die Umsetzung und Anwendung des Genderdoppelpunktes setzt ein deutliches Signal und repräsentiert unser Arbeitsverständnis. Der Aspekt der „Vielfalt“ wird aufgegriffen und in der Schriftsprache umgesetzt: Durch eine geschlechtergerechte Sprache in unseren Veröffentlichungen – von der Homepage bis zum Kursflyer – stellen wir sicher, dass sich alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen können.

Eine rein männliche Schreibweise (generisches Maskulinum: „Pfadfinder“ steht als Begriff für männliche und weibliche Pfadfinder:innen) spricht in der heutigen Zeit weibliche Mitglieder in der Regel nicht an, ebenso sind durch eine männliche oder weibliche Schreibweise Menschen mit nicht-binärer Geschlechtsidentität höchstens mitgemeint, aber nie explizit angesprochen.

Aus diesem Grund bevorzugen wir zunächst einmal geschlechtsneutrale Formulierungen, versuchen also beispielsweise statt Pfadfinderin oder Pfadfinder den Begriff „Pfadi“ oder statt der geschlechtsspezifischen Schreibweise „Jungen und Mädchen“ den geschlechtsneutralen Begriff „Kinder“ zu verwenden.

In Fällen, bei denen das nicht so einfach möglich ist, besteht die Möglichkeit, hier auf den Genderdoppelpunkt („:“) zurück zu greifen – zum Beispiel „Schüler:innen –, wobei der Doppelpunkt in diesem Fall dazu dient, weitere Geschlechter und Geschlechtsidentitäten typografisch sichtbar zu machen.

Im Gegensatz zum Genderstern, kommen automatisierte Sprachausgabesysteme, wie sie Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder Leseschwächen nutzen, mit dem Doppelpunkt besser klar.

Uns ist bewusst, dass diese Schreibweise grammatikalisch nur bedingt korrekt und teilweise schwieriger zu lesen ist. Trotz dessen sollte unserer Meinung nach das Hauptaugenmerk darauf liegen, alle Menschen gleichermaßen anzusprechen, statt antiquierten typografischen Formen zu folgen.

Die Konsequenz

Was unsere Texte betrifft, ist die Sache nun klar. Was aber mit Texten, die ihr uns schickt?

Hier freuen wir uns als PG Öffentlichkeitsarbeit natürlich sehr, wenn ihr bei Einsendungen für die Homepage, Instagram und Facebook, aber auch bei Berichten zu Landesrat und Landesversammlung schon von vornherein daran denkt, geschlechterneutral oder geschlechtergerecht mit Genderdoppelpunkt zu schreiben. Sollte das nicht der Fall sein, erinnern wir euch gerne daran und geben bei Bedarf auch gerne Hilfestellung.

Fest steht nur, dass wir auf Landesebene keine Texte mehr veröffentlichen, die nur irgendwen mitmeinen – denn wir schauen auf jede:n so, wie er:sie ist (und natürlich auf niemand herab 😉).

Nachtrag I

Auf der Seite geschicktgendern.de findet ihr in Wörterbuchfom über 1.300 geschlechtsneutrale Ausdrücke, die dabei helfen, alle geschlechtlichen Identitäten einzubeziehen, ohne dabei auf den Genderdoppelpunkt zurückzugreifen.

Nachtrag II

Dieser Beitrag wurde im März auch in unserem Newsletter „VCPetra“ veröffentlicht, woraufhin uns eine Zuschrift erreichte, die wir mit Einverständnis des Autoren anoym in den Kommentaren veröffentlichen. Unsere Antwort darauf findet ihr dort ebenfalls. Weitere Diskussionsbeiträge sind gerne gesehen.

2 Kommentare

  1. Lieber Christoph, liebe Petra,

    das mit dem Gendern in Texten durch Doppelpunkte kann man machen, sollte als Konvention aber bei Zuschriften und Posts nicht übertrieben werden. Auch komplexe Konventionen und moralisch kulturell abgrenzende Zeichensetzungserwartungen können Menschen ausgrenzen und abwerten/kleinmachen. Die aus meiner Sicht fragwürdige “moralische Überlegenheit” des Doppelpunktes sollte nicht zur Ausgrenzung von Beiträgen von Jugendlichen führen. Das Ziel ist sicher gut, beim Weg sollte man alle mitnehmen.

    Viele Grüße

    1. Lieber [Name der Redaktion bekannt],

      danke für deine Rückmeldung. Wir verstehen und sehen auf jeden Fall den Punkt, dass das Thema gendern viele offene  Fragen und Formen birgt und noch nicht jede:r genau weiß, wie man gendert oder sich noch nicht damit befasst hat und dass das erstmal einschüchternd wirken kann. Ein Sprachwandel benötigt immer eine gewisse Zeit zur Umgewöhnung. Das soll natürlich nicht zur Ausgrenzung von Personen oder deren Texte, aber doch schon zur Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema  führen. Deswegen geben wir als PGÖA selbstverständlich gerne Hilfestellung und informieren und unterstützen über die Verwendung geschlechtergerechter bzw. -neutraler Sprache, wenn sich Menschen unsicher bei der Nutzung sind. Es müssen keine perfekt gegenderten Texte abgeliefert werden, darum geht es uns nicht. Klare Kante möchten wir aber allen zeigen, die aus Bequemlichkeits- oder Einstellungsgründen auf gendern verzichten, dies hat auf der Homepage oder den Kanälen keinen Platz.

      Gendern ist, nebenbei bemerkt, ja auch kein Hexenwerk und nicht all zu schwer lernbar, aber aus verschiedenen Gründen ein wichtiger Schritt zur Gleichstellung aller Menschen und grade die Verwendung der Doppelpunkt-Variante inkludiert sowohl Menschen, die sich binär, als auch diese, die sich eben nicht nur als „Mann“ oder „Frau“ einordnen. Der Doppelpunkt kann auch von Leseprogrammen wahrgenommen werden, weshalb sich für diese Form entschieden wurde. Dadurch möchten auch wir unsern Teil zur Barrierefreiheit des VCPs beitragen. Des Weiteren wurde auch auf dem letzten LR die Verwendung der Doppelpunktschreibweise festgelegt. 

      Nichtsdestotrotz haben wir uns entschlossen, dass wir der „Umgewöhnungsphase“ noch etwas mehr Zeit geben wollen und werden deshalb diese auf ein Jahr verlängern. Ich hoffe, ich konnte ein wenig deutlicher machen, dass es uns keineswegs um Herabstufung oder Ausgrenzung geht. Im Gegenteil, wir möchten gerne alle mitnehmen und auf die Relevanz des Themas aufmerksam machen. Der VCP steht für Vielfalt und das möchten wir auch sprachlich zum Ausdruck bringen. 

      Da der VCP auch für Demokratie steht, möchten wir dem Thema aber gerne Platz zur Diskussion geben. Deswegen wollten wir dich frage, ob es für dich okay wäre, wenn wir deine Bedenken (natürlich anonymisiert) als Diskussionsanregung veröffentlichen und ggf. selber dazu Stellung nehmen?

      Bei weiteren Rückfragen oder Kritikpunkten schreib uns doch einfach noch mal, wir bemühen uns alles zu erläutern und offen darzulegen. 

      Ganz liebe Grüße,
      Lia

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du verwendest diese HTML Tags und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*