Anfang März 2005 erschienen der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung und die UNICEF Studie zur Kinderarmut in reichen Ländern. Die Bundesrepublik Deutschland gehört zwar zu den reichsten Ländern auf der Erde, dennoch gibt es auch bei uns Armut. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich zunehmend und die beiden Studien sind ein alarmierendes Signal, gerade was die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland betrifft.
Armut in Deutschland hängt stark mit Erwerbslosigkeit zusammen, und dies bei rund 5,2 Millionen Menschen ohne Erwerbstätigkeit. Ein weiteres Armutsrisiko besteht bei Alleinerziehenden, insbesondere Frauen, und auch Zuwandererfamilien sind überdurchschnittlich häufig arm. 47 Prozent des gesamten Vermögens sind in der Bundesrepublik heute im Besitz von zehn Prozent der Haushalte. Dem hingegen verfügt die „untere Hälfte“ der Haushalte nur über vier Prozent des Gesamtvermögens.
Die Situation von Kindern und Jugendlichen stellt sich katastrophal dar. Jedes zehnte Kind lebt heute in relativer Armut. Bei der Altersgruppe der 16 bis 24jährigen jungen Menschen ist nahezu jede bzw. jeder Fünfte betroffen. Armut definiert sich aber nicht nur über Geld.
Arme Kinder sind häufiger krank, neben den materiellen Dingen fehlt es häufig noch an Zuneigung, Erziehung und Bildung. Im Vergleich zu einem Kind aus einem sozial gut abgesicherten Haushalt zeigt sich, dass die Chancen eines Kindes aus einem sozial schwachen Haushalt z.B. sieben Mal geringer sind ein Studium aufzunehmen.
Angesichts der vorliegenden Zahlen ist nicht nur die Politik gefordert etwas gegen Armut zu tun. Alle gesellschaftlichen Gruppen sind gefordert aktiv zu werden. Die Pfadfinderinnen- und Pfadfinderbewegung leistet hierzu schon jetzt einen wichtigen Beitrag. Durch den sozialen Halt in der kleinen Gruppe bieten wir Sicherheit und Geborgenheit und tragen auf diesem Wege zur Verbesserung der Startchancen von Kindern und Jugendlichen bei. Zudem stellen über 150.000 Pfadfinderinnen und Pfadfindern in Deutschland ein wichtiges Instrument der Interessensvertretung von jungen Menschen dar. Wir sind bereit uns für die Schwachen in dieser Gesellschaft einzusetzen und wollen durch Aktionen und Veranstaltungen unseren Beitrag leisten.
Der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder fordert die Landesregierungen und die Bundesregierung auf, die Interessen und das Wohl von Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus der aktuellen Tagespolitik zu nehmen. Bei den anstehenden politischen Entscheidungen gilt es im Besonderen auf die Folgen für junge Menschen zu achten. Junge Menschen dürfen nicht die Leidtragenden der derzeitigen Bildungs-, Sozial-, und Wirtschaftpolitik sein und werden. Um Chancengleichheit von jungen Menschen zu gewährleisten ist es notwendig, dass Armut in unserer Gesellschaft aktiv bekämpft wird.